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kinderfreundlich - wesensfest

Eine der häufigsten Fragen, die von Welpeninteressenten gestellt wird
ist die Frage, ob die Hunde kinderfreundlich und wesensfest sind.
Offensichtlich sind dies Begriffe, die auch dem Laien geläufig sind, ohne dass er
sich deren Bedeutung bewusst ist.

Der Missbrauch dieser Begriffe ist erschreckend, oft aus Unwissenheit
und oft auch aus Berechnung.

In den meisten allgemein gehaltenen Hundebüchern, in allen einschlägigen
Zeitschriften geistert der Begriff des kinderfreundlichen Hundes herum.
Diese Einschätzung von Hunderassen impliziert zwangsläufig, dass es auch
"kinderfreundliche" Rassen geben muss.

Kein ernsthafter Kynologe wird Kinderfreundlichkeit auch als vererbbare
Eigenschaft einer Rasse definieren. Auch wenn es viele kinderfreundliche
Hunde gibt, so kann man diese Eigenschaft niemals einer ganzen Rasse
zuordnen.

Wenn der Welpe zur Welt kommt, so werden ihn die Erfahrungen prägen,
die er in seiner Prägephase und auch in seiner späteren Entwicklung
mit Kindern macht. Haben Welpen das Glück, in einer ausgeglichenen
und positiv besetzten Hund-Kind-Beziehung aufzuwachsen, so werden

sie Kindern eine positive Grundhaltung entgegenbringen und zwar solange

 diese positiven Erfahrungen nicht durch negative überlagert werden - also
- ohne Ausnahme.

Allein die Tatsache, dass aus einem kinderfreundlichen Hund auch ein
Hund werden kann, der durch negative Erfahrungen mit Kindern diese nicht
mehr ausstehen kann, beweist, dass dieses Verhalten nicht genetisch sondern
durch Umwelteinflüsse geprägt ist.

Und der zweite Begriff, der irreführend ist, ist der Begriff des
wesensfesten
Hundes.

Bekannt ist das Wolfserbe unserer Rasse, das sich in
manchen Situationen in Angst und Unsicherheit vor Unbekanntem ausdrückt.
Sogenannte Fachleute sind dann schnell mit dem Urteil des "nicht wesensfesten"
Hundes zur Stelle und zeigen damit, wie wenig sie eigentlich wissen.

Denn gerade die Ängste sind es, die zum Beispiel dem Wolf das überleben
bis heute gesichert haben. Kein Tier wurde in der Geschichte so gehasst und
verfolgt wie der Wolf - und doch hat er überlebt, weil er rechtzeitig gelernt hat,
Angst zu haben.

Natürlich sind die Ängste beim Hund bei weitem nicht mehr so ausgeprägt
wie beim Wolf, er muss nicht mehr im Spannungsfeld von freier Natur,

von Jagd und Verfolgung leben und die Domestikation hat das ihre beigetragen.

Aber der Wolf, der sich auf den ersten Bären stürzt, den er in seinem Leben sieht,
ist ein toter Wolf und der Hund, der sich auf alles stürzt, was ihn verunsichert, ist
auch nicht wesensfest sondern verhaltensgestört.

Es würde jetzt den Rahmen sprengen, die vielen verschiedensten Definitionen
zu erläutern, die es zum Begriff des Hundewesens gibt. Es gibt sie von
zahlreichen Verhaltensforschern, Biologen, Kynologen etc., aber eine gemeinsame Definition
gibt es nirgends. Der richtige Ansatz kann aber nur sein, das Wesen als die Summe aller ererbten
und erlernten Verhaltensweisen zu sehen - und "fest" könnte für konstantes Verhalten in
vergleichbaren Situationen stehen.

überhaupt wäre es besser, nur von Wesenseigenschaften zu sprechen, dann könnten
wir uns das Gerede über Wesensfestigkeit ersparen.